Fazit unserer Nordkap-Reise

Es war ein in Erfüllung gegangener Traum und es war anstrengend. So schön Schweden und Finnland, zumindest so weit wir das beurteilen können, auch sind, Norwegen ist gigantisch! Norwegen ist abwechslungsreich und schafft es immer wieder, uns ob der gewaltigen Landschaft in Erstaunen zu versetzen.

Bei unserem gestrigen Abendessen beim Chinesen in Lulea haben wir versucht ein Resümee zu ziehen und waren uns einig, dass es eine wunderschöne, aber sehr anstrengende Reise war. Man könnte sie als taste of the arctic circle beschreiben, denn mehr als einen ersten Eindruck kann sie nicht vermitteln, wenn man jeden Tag im Schnitt 350 km fährt. Ein zweites Mal würden wir die Reise so nicht machen, aber nicht deswegen, weil wir auch nur eine Stunde bereut haben, sondern weil wir sie eben schon gemacht haben, mit anderen Worten, wir würden niemandem davon abraten, sie zu fahren, wenn man nur 10 Tage Zeit hat. Eine zukünftige Reise in diese Region, und wir sind uns beide sicher, dass wir noch öfter hier am nördlichen Polarkreis seien werden, würde sicherlich den einzelnen Stationen mehr Zeit geben, idealerweise vielleicht so, dass man immer mindestes zwei Nächte an einem Ort bleibt, und einen Tag jeweils die Zeit hat, die unmittelbare Umgebung zu erkunden, die wir, auf dieser Reise, nur im „Vorbeifahren“ erleben konnten. Nord-Norwegen alleine bietet mit Sicherheit Erlebnisse für mindestens eine zweiwöchige Fahrt, allein für die Lofoten, die wir gewissermaßen „links liegen“ lassen mussten, kann man schon mal ganz entspannt eine Woche einplanen und die tundra-artige Osthälfte von Nordnorwegen hatten wir ja komplett außen vor gelassen. Auch Finnland und Schweden haben sicherlich mehr zu bieten, als wir diesen Ländern in der Kürze der Zeit des „Durchfahren“ gerecht geworden sind. Immerhin hatten wir ja Schweden vor zwei Jahren schon mal einen einwöchigen Besuch abgestattet, dazu findet Ihr hier mehr.

Ich bin mir sicher, man kann diese Reise zu jeder Jahreszeit – mit natürlich unterschiedlichen Herausforderungen – unternehmen, im Sommer zur Mitsommerzeit muss es ebenfalls sehr beeindruckend sein am Nordkap zu stehen und zu sehen, wie sich die Sonne dem Horizont zwar nähert, aber nicht hinter diesem verschwindet, es dürfte aber zu dieser Zeit auch recht voll (touristisch) werden, zumindest sprachen alle Einheimischen, mit denen wir darüber redeten, davon. Allerdings sind im Sommer auch weit mehr Fährverbindungen aktiv, die zum Teil erhebliche Abkürzungen ermöglichen.

Im tiefsten Winter braucht man einfach viel mehr Zeit, da viele Strassen gesperrt sind und man auf die täglich nur zwei-, dreimal fahrenden Räumfahrzeuge warten muss, hinter denen man sich dann einreihen darf. Das Fotografieren der Polarlichter ist im Januar/Februar deutlich besser möglich, da dann der Himmel öfter klar und die Intensität der Aurora kräftiger sein soll. Allerdings bietet das Warten und Fotografieren bei -20 (oder gar weniger) Grad auch so seine Herausforderungen… 🙂

Unser Auto, ein VW Golf Plus, war völlig okay und absolut ausreichend, allein diese automatischen Start-Stop-Einstellungen, die jetzt offenbar überall Einzug erhalten, sind etwas gewöhnungsbedürftig. Die Anmietung über SunnyCars war gewohnt unproblematisch und vor Ort war der Partner EuropCar, das Auto hatte, bevor ich es übernahm, auch erst knapp 20.000 KM runter, da sind nun ein paar dazu gekommen 😉

Unsere Unterkünfte waren durchweg sehr gut bis hervorragend, natürlich könnte man, wenn man es unbedingt braucht, an der einen oder anderen Stelle etwas zu meckern finden, aber wozu, es war immer sauber, ordentlich und wir wurden freundlich begrüßt?!

Nachfolgend die einzelnen Stationen mit einer kleinen Bemerkung, was uns am besten gefallen hat. Ich werde nach Möglichkeit einen Link zu der Internetseite des Hotels einfügen, sodass man sich dort bei Bedarf über die Unterkunft informieren kann.

Nacht 1 in Wild B&B Arvidsjaur, sehr familiär geführte Anlage von einer Schweizer Familie und ausgesprochen hilfsbereit und aufmerksam. So wurde uns nach Ankunft spontan eine kalte Platte zubereitet, damit wir den Abend am Kamin im Esszimmer genießen können und nicht noch einmal mit dem Auto ins 15 KM entfernte Arvidsjaur fahren müssen. Hier fühlten wir uns schon allein auf Grund der problemlosen Verständigungsmöglichkeit sehr gut aufgehoben. Für eine eventuell mal zu unternehmende Husky-Schlittenfahrt in einem zukünftigen Urlaub kann man diese Unterkunft auf jeden Fall empfehlen!

Nacht 2 in Camp Rippen in Kiruna, am Rande der Stadt gelegen, dennoch zentral genug, um zum Beispiel im Bishop´s Arms in der Stadt zu essen (und zu halbwegs akzeptablen Preisen ein Bier zu trinken, große Auswahl). Hier haben wir – leider völlig unerwartet – die besten Polarlichter während der gesamten Reise gesehen, aber leider nicht fotografiert. Gute Ausgangslage zum Abisko Nationalpark (unbedingt Seilbahn fahren!)

Nacht 3 im Bogen Hostel in Bogen, sicherlich nicht die komfortabelste Unterkunft, aber auf Grund der Lage einfach die beste Unterkunft während der gesamten Reise, hier haben wir es am meisten bedauert, nach einem Tag bereits wieder abreisen zu müssen!! Alle Zimmer gehen zum Wasser raus, Zimmer 4 erschien mir am schönsten, aber das ist fast egal, da alle über eine unglaubliche Aussicht verfügen.

Nacht 4 in Hamm i Senya auf Senya, sicherlich das komfortabelste und elitärste Hotel der gesamten Reise, guten Frühstücksbüffet und mitten auf einer der norwegischen Landschaftsroute. Die Küche im Apartment war komplett ausgestattet, die Aussicht sowohl aus dem Wohn- als auch aus dem Schlafbereich und vom Balkon hervorragend. Preislich dann doch sehr anspruchsvoll, aber für eine Nacht war es schon okay.

Nacht 5 in der Magic Mountain Lodge in Lyngseidet, einfach, aber ausreichend ausgestattet, sehr engagierte und freundliche Betreiber, die auf Wunsch ein Abendessen anbieten. Dicht am Fähranleger, um am nächsten Morgen die Fähre auf die Nachbarinsel und zur kürzeren Weiterfahrt gen Osten zu nehmen (spart etwa 200 km!)

Nacht 6 in Altafjord Gjestegaard & Spa, gute Ausgangslage zu den Felszeichnungen von Alta, nicht von den Öffnungszeiten des Museums abschrecken lassen, die Felszeichnungen sind auch bei geschlossenem Museum zugänglich! Enttäuschend war, dass der Spa-Bereich nicht zugänglich war, angeblich ausgebucht (oder gar nicht im Betrieb), das Frühstücksbüffet war hingegen das beste auf der ganzen Reise. In Peppes Pizza in Alta kann man halbwegs preiswert (sofern man dieses Wort in Norwegen verwenden möchte) eine ganz ordentlich schmeckende Pizza essen.

Nacht 7 Nordkap Camping, sehr einfach ausgestattete Zimmer und Küche, zudem haben wir festgestellt, dass glutenfreie Nudeln einfach nur scheiße schmecken, darauf hatten wir dummerweise beim Kauf derselben nicht geachtet. Hervorragende Lage für das Fotografieren von Polarlichtern und gute Ausgangslage für die morgendliche Fahrt zum Nordkap, wenn man früh losfahren möchte, um möglichst vor den Bussen des Tages dort anzukommen. Sehr freundliche und mitteilungsfreudige Mitarbeiterin im Shop, wo man einen ordentlichen Kaffee und Kekse bekommt.

Nacht 8 im Tradition Hotel Kultahovi, tolles Hotel am Rand von Inari am gleichnamigen See, direkt an den Stromschnelle gelegen, schönes Geräusch beim Einschlafen, fast wie Wellenrauschen.:-) Die Superior-Zimmer alle mit Balkon zu den Stromschnellen und mit eigener Sauna im Badezimmer, sehr empfehlenswert. Hervorragende Küche am Abend und ordentliches Frühstücksbuffet am Morgen.

Nacht 9 in Rovaniemi im Weihnachtsmanndorf, sehr hübsche Bungalows mit eigener Sauna, ansonsten alles auf Santa Claus ausgerichtet, inklusive riesigem Shopbereich mit tausenden von unnützen Dingen, die zu Hause dann irgendwohin gestellt werden 🙂 Für Kinder sicherlich ein Riesenspaß, für die dazu gehörenden Eltern vermutlich weniger, es sei denn, sie binden den Kindern beim Durchschreiten des Shops die Augen zu. Man kann sich auch für entsprechendes Kleingeld mit Santa Claus fotografieren lassen, darauf haben wir jedoch verzichtet…

Nacht 10 im Park Hotell in Lulea, eines der wenigen Hotels in Lulea, die über einen eigenen und vor allem kostenlosen Parkplatz für Hotelgäste verfügen, was auch schon das Beste an diesem Hotel ist, aber für eine Nacht absolut ausreichend (für mehr meiner Meinung nach nicht), und sehr freundliche Betreiberin, sie hatte uns für den nächsten Morgen, da wir schon um 6 Uhr losfahren mußten, ein kleines Frühstückspaket vorbereitet! Fahrtzeit zum Flughafen unter 15 Minuten morgens.

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